Renegades: Interview

„Unterwasser-Sets verkörpern eine außerordentliche Ästhetik und strahlen eine geheimnisvolle Schönheit aus"

Cornelia Ott arbeitet seit über 20 Jahren als Production Designer und Art Director auf deutschen und internationalen Film und TV-Produktionen. Zu ihren Credits gehören u.a. V WIE VENDETTA, OPERATION WALKÜRE, MONUMENTS MEN, PASSION sowie JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER.

In einem kurzen Interview zum Kinostart von RENEGADES spricht sie über Herausforderungen bei Unterwasseraufnahmen, die spannendsten Drehorte und spektakulärsten Sets.

Welches war Dein Lieblingsset bei RENEGADES und warum?

Cornelia Ott: Es gab zahlreiche, spannende und komplexe Sets bei diesem Projekt! Gedreht wurde der Film ja in vier Ländern: in Deutschland, Kroatien, Malta und in Frankreich - jedes Land hatte natürlich seine Highlights. Außerdem spielt die Geschichte auf zwei Zeitebenen, was sie zusätzlich gestalterisch interessant macht - der Prolog und ein Flashback spielen 1944, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs; es ist der Beginn der Story, bei der es um die Jagd nach einem Goldschatz zur Zeit des Bosnienkriegs im Jahr 1995 geht.

RENEGADES ist ein Heist-Movie mit einem Twist – denn ein Großteil des Abenteuers spielt Unterwasser! Am spektakulärsten waren sicherlich die Unterwasser-Sets, die eine außerordentliche Ästhetik verkörpern und eine geheimnisvolle Schönheit ausstrahlen. Die Brechung des Lichts im Wasser erzeugt zudem filmisch großartige Bilder. In der Geschichte geht es um ein geflutetes, historisches Dorf, das zwar einerseits noch das Jahr 1944 widerspiegelt, also zeitlich eingefroren ist, aber dennoch nagt der Zahn der Zeit an den Gemäuern, die halb von Sediment überschüttet und von Algen und Unterwasserpflanzen bewachsen sind. Das galt es zu bauen! Dieses Dorf wurde als großes Ganzes inklusive Dorfplatz, Interior der Bank, der Kirche und Friedhof in dem ‚Deep Concave Tank’ in Malta eingebaut, der 11m tief und 107 x 49m groß ist. In einem zweiten Wasserbecken wurden der Tresorraum und die Katakomben gebaut und ein dritter, kleinerer Tank diente für die Nahaufnahmen.

Auch im Studio Babelsberg wurden wichtige Unterwasser-Sets hergestellt, wie z.B. das Turmgebäude der gefluteten Kirche mit einer aufwändigen Gewölbedecke, sowie die Kirchenglocke in verschiedenen Ausführungen, um der Kamera den Blick ins Innere zu ermöglichen und ein weiterer meiner Favoriten – das Interior des Panzers.

Spannend ist für mich immer, wie sich an unterschiedlichen Locations oder sogar in diversen Ländern gedrehte Sequenzen zu einem Ganzen zusammenfügen und eine geschmeidige Szene ergeben. Das kann man anhand des Panzer-Set Pieces sehr gut erklären. Das Interior des Panzers wurde proportional um 15 % vergrößert im Vergleich zum realen Panzer im Studio nachgebaut. Dieses Set Piece wurde dann auf der Motion Control Base im Studio vor einer riesigen, U-förmigen Greenscreen montiert. Für die Bewegungen des Panzer-Set Pieces und damit der Schauspieler wurde dann ein Programm geschrieben, das die Bewegungen des realen Panzers, der durch die Straßen der Location in Kroatien fuhr, mit denen des Set Pieces synchronisierte. Wenn dann der Panzer im Film das Brückengeländer zerschießt und ins Wasser stürzt, ist das natürlich ein Computer Generated Image. Danach sehen wir allerdings wieder die Schauspieler in unserem Interior Panzer im Studio Babelsberg, der zu diesem Zeitpunkt des Drehs im Wassertank eingelassen wurde, um den Wassereinbruch in den Panzer simulieren zu können.

Gestalterisch interessant war auch die Transformation des Flugplatzes Finsterwalde in eine Nato Base oder die des Messegeländes in Zagreb in ein Kriegsgebiet in Sarajevo. Das Büro des Generals in Sarajevo und Lara’s Apartment in Zvornik wurden übrigens auch im Studio Babelsberg gebaut.

Was war die größte Herausforderung für Dein Department bei den Dreharbeiten von RENEGADES?

Cornelia Ott: Zunächst einmal hatten wir hervorragende Teams in den einzelnen Ländern. Eine große Herausforderung bei diesem Projekt waren neben der allgemeinen, kurzen Vorbereitungszeit sicherlich die Unterwassermotive, die besonderen Sicherheitsanforderungen unterworfen waren, was eine gezielte Planung voraussetzte. Unser Regisseur Steven Quale, der schon bei dem Film TITANIC dabei war, und eine Crew von Profi-Tauchern stand beratend zur Seite. Bei Dreharbeiten unter Wasser ist außerdem die Auswahl der richtigen Materialien, sowie die Einhaltung der Trocknungszeiten essentiell, denn sonst wird das Wasser trübe und die Sicht ist eingeschränkt! Aber da konnten wir uns voll und ganz auf die Erfahrung der Babelsberger Handwerker-Crew verlassen. In Malta war übrigens eine französische Firma, die Unterwasserwelten für Aquarien und Freizeitparks baut, für die Sets zuständig. Dort gab es tatsächlich anfänglich Probleme mit der Wasserqualität durch die Bauausführung.

Welchen Teil Deines Jobs findest Du am spannendsten?

Cornelia Ott:Jede Phase der Arbeit an einem Filmprojekt hat ihre Bedeutung und ihren Spaßfaktor. Ich mag das Scouten, weil man unglaublich interessante Locations zu Gesicht bekommt, zu denen man oft noch nicht einmal Zutritt bekäme oder weil man Länder bereist, in die man sonst vielleicht nicht unbedingt reisen würde. Auf Malta und in Kroatien haben wir z.B. wunderschöne, magische, aber auch morbide Orte gesehen – wie das verlassene Luxushotel aus den 70er Jahren in Malinska, das seltsam malerisch zerfällt, in dem wir dann aber leider nicht drehen konnten.

Die Planungsphase ist ebenfalls hochspannend – mittels Architektur Geschichten zu erzählen, Drehorte z.B. in Straußberg so zu verändern und zu ergänzen, dass man den Zuschauer glauben lässt, er sei in Sarajevo. Das Austüfteln von Lösungen – Kompromisse zwischen Drehbuchanforderungen, technischen Möglichkeiten, dem finanziellen Rahmen und den ästhetischen Ansprüchen zu finden, finde ich großartig. Ich arbeite auch sehr gerne an der Budgetierung des Films und mag das Verwalten des genehmigten Budgets.

Ich bin normalerweise nicht ehrfurchtsvoll ergriffen, wenn ich Stars sehe, aber es ist doch immer wieder interessant, als Cineast die ‚großen Helden’, die Filmgeschichte geschrieben haben, persönlich zu treffen. So war es sicherlich ein Höhepunkt, Luc Besson, der das Drehbuch zu Renegades geschrieben und den Film produziert hat, vorgestellt zu werden, als er zu Besuch im Studio Babelsberg war. Luc Besson ist der Regisseur von großartigen Filmen, die ich liebe, wie z.B. THE BIG BLUE, LEON DER PROFI oder DAS FÜNFTE ELEMENT.

Was ist Dein Lieblingsfilm bzw. welches Projekt liegt Dir besonders am Herzen?

Cornelia Ott: Highlights meiner bisherigen Projekte waren sicherlich die Filme, bei denen ich mit Koryphäen zusammenarbeiten durfte, wie z.B. mit den Regisseuren Paul Verhoeven (BLACK BOOK), Roman Polanski (THE GHOSTWRITER), George Clooney (MONUMENTS MEN), Bryan Singer (VALKYRIE) oder Lana und Lilly Wachowski (V FOR VENDETTA). Es muss aber auch nicht immer international sein – bemerkenswert und äußerst kreativ war z.B. auch die Arbeit an dem deutschen Kinofilm JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER nach dem Roman von Michael Ende, bei dem Dennis Gansel Regie geführt hat. Besonders am Herzen liegen mir allerdings meine Projekte mit dem Regisseur Brian de Palma, den ich zutiefst verehre und der mich sehr inspiriert. Der erste Film, den ich für ihn designen durfte, war PASSION, bei dem mich damals auch das Studio Babelsberg bautechnisch unterstützt hat. Letztes Jahr haben wir dann zusammen den Thriller DOMINO in Belgien, Holland, Dänemark, Spanien und Italien gedreht. Und das nächste Projekt ist schon in Planung.

Fotos: © Universum Film GmbH, © Cornelia Ott, © Studio Babelsberg AG

 
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