Honecker und der Pastor: Interview

„Das Arbeiten im Studio ist zehn Mal schöner, weil du da mit deiner Fantasie extreme Sachen umsetzen kannst.“

Frank Polosek ist seit über 30 Jahren als Szenenbildner für deutsche Kino- und Fernsehfilme tätig. Seine Karriere begann mit WERNER - BEINHART! Frank Polosek kann die verschiedensten Genres bedienen. Zu seinen Credits gehören Kinder- und Jugendfilme wie DIE SAMS, FRECHE MÄDCHEN und TIGERMILCH. Neben Märchen- und Kriminalfilmen arbeitet er seit vielen Jahren für unzählige TATORT- und SCHIMANSKI-Reihen.

© ZDF, Arte/Conny Klein

Welche Kulissen wurden für den Dreh im Studio gebaut und warum gerade diese?

Frank Polosek: Die ganze Geschichte spielt ja im Haus des Pfarrers Uwe Holmer, das im Dorf Lobetal bei Berlin steht und wo der Honecker im Grunde genommen im letzten Augenblick Unterschlupf gefunden hat. Für den Filmdreh konnte das Haus aber nicht mehr genutzt werden, weil es einfach kaputtrenoviert ist.
Selbstverständlich steht dieses Haus im Mittelpunkt der Geschichte, und damit auch im Mittelpunkt der Dekorationsbauten. Aus diesem Grund sind wir im Studio Babelsberg gelandet, um hier das Innere des Hauses nachzubauen.

Das Originalhaus ist relativ groß. Der Pfarrer war ein evangelischer Pfarrer und hatte eine große Familie mit zehn Kindern. Davon sind aber zum Zeitpunkt unserer Geschichte nur noch zwei im Haus.
Das Haus ist kein normales Reihenhaus. Mitte der 1930er wurde es gebaut und hat zwei Etagen. Obwohl es also großzügig ist, war es von den Räumlichkeiten her viel zu beengt zum Drehen - das kannst du knicken. Wir haben also die zwei Etagen in zwei Studios, in der Neuen West und der Neuen Ost, gebaut. Und beide Etagen waren von den Abmessungen gerade so, dass wir sie da reingepasst bekommen haben.

Als Motiv hatten wir auch die Außenansicht des Hauses und vier fünf andere Außenmotive, die alle in dem Dorf angesiedelt sind. Eine kurze Szene spielt auch in Wandlitz, in dem ehemaligen, abgeriegelten SED-Teil.

Wie sind Sie beim Entwurf der Kulisse vorgegangen? Haben Sie das Originalhaus einfach eins zu eins kopiert?

Nein, in dem Fall ist es ganz anders gelaufen. Wir haben uns von Vornherein gesagt: Ok, wir müssen uns nicht an das Originalhaus halten. Wir machen ja keine Doku. Ich habe das Originalhaus zwar gesehen, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Zuallererst mal habe ich mir das Haus nur auf Google Earth von oben angesehen, für die Proportionen: Wie lang und wie breit ist denn das Ding? Und ich wusste von Erzählungen von Jan [Josef Liefers], dass da ein relativ großer Eingangsbereich ist oder ein Flur. So wie man das in Häusern hatte, mit einem Treppenhaus nach oben, wo man zwei Geschosse hat. Das war das Einzige, was ich wusste und daraufhin habe ich einen Entwurf gemacht nach dem Drehbuch.

Es geht in der Geschichte immer um das Beobachten und sich gegenseitige Abchecken: Der evangelische Pfarrer und der Kommi, beide zusammen unter einem Dach. Besonders in der oberen Etage, wo Honecker und seine Frau ihr Zimmer hatten, sollte man eine bedrückende Enge spüren. Wir haben mit schrägen Wänden gearbeitet, die Dachschrägen machen noch mehr eine bedrückende Atmosphäre und das Ganze alles relativ eng. Der Gang entspricht grob dem Grundriss des Erdgeschosses, ist im Nachbau aber viel schmaler.

Und da das Ganze, die beiden Etagen, mit einer großen Treppe verbunden ist, haben wir den Bereich im Erdgeschoss gebaut bis fast ganz hoch, damit man wenigstens einen schönen Auftritt hat, obwohl man oben nicht rausgucken kann. Im Obergeschoss haben wir dann mit der letzten halben Treppe oben angefangen und die ganze Dekoration auf eine Stellage gesetzt, also auf ein Praktikabel, auf ein hohes Podest insgesamt. Ich kann im Studio ja kein Loch graben, um es mal ganz blöd zu sagen.

Und die Set-Fotos, die gemacht wurden, sind auch entsprechend. Das sieht schon alles großartig aus. Das merkt man auch an den Reaktionen von Schauspielern, wenn die dann ans Set kommen und sich bedanken….

 

Wie unterscheidet sich die Arbeit on Location von der Arbeit im Studio?

Das Studio ist natürlich immer spannender und macht mehr Spaß, weil du im Studio die Bremsen, die dir am Original on Location aufliegen, nicht hast. On Location kannst du nicht einfach jede Wand raushauen und irgendwas passt ja dann doch möglicherweise nicht immer. Für Drehs on Location hat man gar nicht die Zeit, lange im Voraus zu suchen, so dass man sagen kann, man hat genau das, was man sich vorstellt oder wie es im Drehbuch geschrieben ist.

Insofern ist das Arbeiten im Studio zehn Mal schöner, weil du da einfach mit deiner Fantasie und mit dem, was du möchtest, auch extreme Sachen umsetzen kannst, die du on Location nicht machen kannst. Im Studio kannst du jeden Trick einfach bauen. Bei HONECKER UND DER PASTOR machen wir beispielsweise solche Sachen: Wir fahren durch die Wände durch, wir fahren durch die Decken durch. Das sind so Sachen, die du in einem richtigen Haus eher schlecht machen kannst. Das wäre sonst auch zu teuer.

 

Seit den 1990er Jahren sind Sie als Szenenbildner tätig. Was hat sich über die Jahre an dem Beruf geändert?

Durch die elektronischen Medien hat sich natürlich was verändert. Vom Grunde her aber nicht, nämlich dass du mit einem bestimmten Team zusammenarbeitest, mit einer bestimmten Anzahl von Leuten. Und diese Anzahl variiert ständig, je nach Größe des Projekts. Ja, und das Tempo... Es sind immer weniger Drehtage. Man muss alles schneller machen, aber das betrifft ja alle Departments. Im Grunde genommen ist die Arbeit des Szenenbildners immer noch ein Handwerk.

Sie sind das erste Mal für eine Produktion im Studio Babelsberg. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit des Art Departments?

Die kann ich nur über den grünen Klee loben. Also, das ist kein blödes Gerede. Das hat wirklich richtig Spaß gemacht, mit großartigen Mitarbeitern, von der Qualifikation wollen wir gar nicht reden. So wie der ganze Umgang war, wie spontan das auch geklappt hat. Zwischendurch gibt es ja dann immer mal wieder Änderungen oder Ergänzungen oder die Regie kommt auf einmal nochmal mit einem Wunsch und so wie das alles bewerkstelligt werden konnte, war es sensationell! Natürlich bei Uwe Schaer angefangen, die ganze Truppe durch, die waren einfach sensationell. Und es hat wirklich Spaß gemacht, mit denen zusammenzuarbeiten.

 

 

Fotos: © Frank Polosek, © Studio Babelsberg

 
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